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Unterschiede zwischen Christentum und Esoterik

Pfarrer Gaißmayer: Gott schaut wie ein Arzt die Wunden an und verbindet sie

Viel beachtet wurde die Predigt, die Stadtpfarrer Rudolf Gaißmayer am Sonntag, 30. Oktober 2011 hielt. Klar und mit deutlichen Worten benannte er die fundamentalen Unterschiede zwischen Christentum und Esoterik. Dabei nahm er auch auf die Veranstaltung des Ex-Fernsehpfarrers Jürgen Fliege „Wörishofer Herbst“ Bezug. Die Ausstellung im Kurhaus während dieser Veranstaltung bezeichnete er als einen „Supermarkt der Gesundheitsversprechen“.

„Unsere Pfarrei hat sich von Anfang an, nach intensiven Diskussionen, von der Veranstaltung distanziert und ich bin darüber sehr froh“, betonte der Pfarrer von St. Justina und verglich in fünf Punkten die Esoterik mit dem Christentum: Bei der Esoterik handle es sich um ein elitäres Bewusstsein. Zentrale Ausdrucksformen esoterischer Spiritualität seien magische Praktiken, Wahrsagerei, Zukunftsdeutung, Geistheilung. „Sie finden das alles im Kurhaus versammelt.“ „Das wichtigste Dogma der Esoterik lautet: Alles, was uns in der Welt begegnet, ist das Sichtbarwerden von Geist.“ „Die Christen dagegen sagen: Gott ist ewig, nicht geschaffen. Er ist als Person von uns Menschen ansprechbar.“

Zweitens betone die Esoterik einseitig den menschlichen Geist. Das Körperliche sei unbedeutend. „Das führt zu einer Abwertung des Körperlichen. Wir Christen sehen den Menschen als eine Leib-Seele-Geist-Einheit.“ Das zu betonen sei das große Verdienst Pfarrer Kneipps gewesen. „Wir glauben an die Auferstehung des ganzen Menschen.“

Im dritten Punkt behandelte Pfarrer Gaißmayer das Ziel der Esoteriker – nämlich eine methodisch selbst gesteuerte Erlösung. Dieses Ziel stehe im fundamentalen Gegensatz zum Christentum. „Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen. Wir glauben an den Erlöser Jesus Christus.“ Das Paradies auf Erden werde es nicht geben.

Im vierten Unterscheidungsmerkmal thematisierte der Bad Wörishofer Geistliche die esoterische Praxis, die vorwiegend durch Entspannung und fernöstliche Meditationen geschehe. „Sie ist immer Ich-bezogen und hat die Tendenz zur Weltflucht“, erklärte Pfarrer Gaißmayer. Dagegen stehe die Weltverantwortung des Christen, die tätige Nächstenliebe.

Im letzten Punkt ging er auf die Vorstellungen von Reinkarnation und Seelenwanderung ein. „Auch diese sind mit unserem Glauben unvereinbar.“ Der Mensch sei unwiederholbare Person, original und einmalig – mit der Fähigkeit „Du, Vater, zu sagen“.

Esoterik sei demzufolge nachchristliches Denken, Suchen und Fragen. Es fehle das bewusste Suchen nach dem personalen Gott. „Gott ist für uns ein festes, verlässliches Gegenüber, das sich suchen und finden lässt, das ich mir aber nicht zurechtmachen kann“. In der Esoterik fehle der Glaube an Jesus Christus. „Er ist das endgültige Ja Gottes zur Welt.“ Darüber hinaus hätten wir mit keinerlei Offenbarung mehr zu rechnen.

Das Ich als letzte Instanz dagegen sei gefährlich. Pfarrer Gaißmayer schlug als Alternative zur Heilssuche in der Esoterik den heilenden Glauben und den heilenden Gott vor. Zum Glauben an diesen Gott gehöre die Einsicht, dass der Mensch zerbrechlich sei. Im Leben habe man vieles zu bestehen. „Der nahe Gott schaut wie ein Arzt die Wunden an und verbindet sie“, betonte der Seelsorger. Wunden würden nicht spurlos verschwinden. Sie müssten sorgfältig behandelt werden. Das passiere nicht im Hauruck-Verfahren, nicht in spektakulär herbeigezauberten Heilungen.

„Wunder gibt es immer wieder, aber wir können sie nicht machen und durch Techniken herbeizaubern“, meinte Gaißmayer. „Es ist menschenverachtend, kranken Menschen in ihrer existenziellen Not Hilfen und Heilungen zu versprechen, die unrealistisch sind“, betonte Pfarrer Gaißmayer, der selbst in den vergangenen Monaten mit einer Krankheit kämpfte. Er forderte Respekt und Achtung auch vor dem kranken Menschen.

Er selbst bete in der Eucharistiefeier immer auch für die Kranken. Die katholische Kirche habe sogar ein eigenes Sakrament: die Krankensalbung. Durch die Jahrhunderte hindurch habe die Sorge um die Kranken immer wesentlich zu den Aufgaben der Kirche gehört.

Bernhard Ledermann

 

 

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Stand: 01 November, 2011

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